Spezifische Immuntherapie – Start auch während des Pollenflugs möglich

Birkenpollen

Text aus Allergo-Journal Juni 2017
Viele Allergiker schieben eine spezifische Immuntherapie immer wieder auf. Weil sie zu lästig erscheint – oder auch, weil sie immer wieder den richtigen Zeitpunkt verpassen. Denn bis vor ein paar Jahren war ein Therapiestart nur im Herbst und Winter möglich. Flogen erst einmal die Pollen, war es zu spät. Das ist Vergangenheit, denn inzwischen gibt es moderne, co-saisonale Therapien, wie zum Beispiel die Cluster-Therapie mit hochpolymerisierten Allergoiden. Diese kann aufgrund des guten Sicherheitsprofils auch während des Pollenflugs gestartet werden. Ihre Anwendung ist darüber hinaus wesentlich einfacher als bei herkömmlichen Therapien.

Bei der Entwicklung der spezifischen Immuntherapie hat sich viel getan, insbesondere bei der subkutanen spezifischen Immuntherapie (SCIT). Von der Einführung von Adjuvantien bis zur Modifikation der aktiven Substanz, der Allergene.

In nativen Allergenextrakten bleibt die Struktur der Allergene erhalten. Das heißt, die spezifischen allergierelevanten Antikörper (IgE) - können ungehindert binden und so eine allergische Reaktion vermitteln.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt bei der SCIT war die Einführung der Allergoide in den 1970er Jahren. Allergoide werden durch chemische Modifikation der Allergene mit Aldehyden (z. B. Glutaraldehyd) hergestellt. Die Modifikation führt zu einer Veränderung der räumlichen Struktur, die mit einer Veränderung der Bindungsstellen für die spezifischen IgE einhergeht. Geringere IgE-Bindung bedeutet eine Reduktion der Allergenität und damit Erhöhung des Sicherheitsprofils. Die Immunogenität - die Fähigkeit, eine Immunantwort im Organismus zu bewirken - bleibt jedoch erhalten.

Eine optimierte Allergoidisierung, wie z. B. bei den Clustoiden, erlaubt eine drastische Verkürzung des Aufdosierungsschemas: Während die Aufdosierung mit nativen Allergenen über mehrere Wochen bis Monate dauert, ist bei CLUSTOID schon am ersten Tag die Maximaldosis erreicht – bei sehr guter Verträglichkeit.

Hohe Sicherheit - gute Wirksamkeit
Von der European Medicines Agency (EMA) werden für Pivotalstudien die (subjektiven) Symptom- und Medikationsscores als wichtigste Wirksamkeitskriterien empfohlen [1]. Eine doppelblind, placebo-kontrollierte Studie (DBPC-Studie) mit diesen Empfehlungen wurde mit einem Cluster-Präparat (CLUSTOID® Gräser/Roggen) durchgeführt. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe war der Symptomscore bereits nach einem Jahr in der Verum-Gruppe um 36 % signifikant reduziert, der Medikationsscore um 43 %. Im Prä-Post-Vergleich (vor und nach der Studie) stieg in der Verum-Gruppe das spezifische IgG4 an – blieb hingegen in der Placebo-Gruppe unverändert. Außerdem zeigte CLUSTOID® Gräser/Roggen in dieser Studie ein gutes Sicherheitsprofil [2].

Aufgrund des guten Sicherheitsprofils ist mit Clustoiden (Cluster-Präparate) auch ein Therapiestart in der Pollensaison (co-saisonal) möglich, wie retrospektive Daten mit verschiedenen CLUSTOID-Präparaten, unter anderem mit Gräserpollen, zeigen konnten. In einer retrospektiven Analyse [3] wurden 31 Patienten, bei denen die spezifische Immuntherapie co-saisonal begonnen und die Erhaltungsdosis bereits mit zwei Injektionen am ersten Tag erreicht wurde, ausgewertet: nur bei 4,1 % der Injektionen wurde eine milde Lokalreaktion (Grad 0, nach Pfaar et al. 2009 [4]) beobachtet.

Co-saisonale Therapien werden künftig sowohl aus praktischen, als auch aus Gründen der Compliance erheblich an Bedeutung gewinnen.

Nach Informationen von ROXALL
Referenz:
[1] Guideline on the clinical development of products for specific immunotherapy for the treatment of allergic diseases (CHMP/EWP/18504/2006)
[2] Klimek L et al. Allergy 2014;69.1629-1638
[3] Paterok P. Allergy 2012,67(Suppl.96).234
[4] Pfaar O, Hörmann K, Klimek L. Die Cluster-Immuntherapie bei allergischer Rhinokonjunktivitis. Übersicht über ein innovatives Therapiekonzept.
Allergologie (2009);32,433–440.

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